 |
-
15 Jahre DAB+ in Deutschland: Digitalradio als Treiber von Vielfalt und Klangqualität im Radio
Mit dem Start der ersten nationalen DAB+ Programmplattform am 1. August 2011 begann in Deutschland eine neue Ära des Hörfunks. Fünfzehn Jahre später hat sich DAB+ vom Nachfolger des analogen UKW-Radios zum wichtigsten Treiber der Hörfunk-Digitalisierung entwickelt. Was mit nur wenigen Senderstandorten und einer begrenzten Programmauswahl begann, ist heute ein nahezu flächendeckendes digitales Rundfunknetz mit einer Programmvielfalt, die über UKW niemals möglich gewesen wäre.
DAB+ verbindet die Stärken des klassischen Radios, also die kostenlose Nutzung, die einfache Bedienung, eine hohe Reichweite und Krisenfestigkeit, mit klarem, digitalem Klang. Deutschland zählt heute zu den erfolgreichsten DAB+ Märkten Europas. Radiosender, Netzbetreiber, Politik, Medienanstalten und Gerätehersteller haben gemeinsam die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass Millionen Menschen Radio heute digital über Antenne hören.
Deutschlandradio: Pionier des digitalen Erfolgs
Eine Schlüsselrolle in der Entwicklung von DAB+ kommt Deutschlandradio zu. Als nationaler Programmanbieter hat Deutschlandradio den Neustart des digitalen Radios von Beginn an maßgeblich unterstützt und war 2011 gemeinsam mit den ersten Privatsendern Initiator der ersten bundesweiten Programmplattform.
Für Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur schuf DAB+ die Voraussetzung, ihren Auftrag als Informations- und Kulturprogramme flächendeckend zu erfüllen, da beide Programme über UKW nur einen Bruchteil der Bevölkerung erreichen. Das dritte Deutschlandradio-Programm Deutschlandfunk Nova wird ausschließlich digital verbreitet. Deutschlandfunk Nova wäre als bundesweites, vor allem auf jüngere Zielgruppen ausgerichtetes Angebot über UKW nicht realisierbar gewesen. Heute erreichen die Deutschlandradio Programme über die nationale DAB+ Plattform mehr als 92 Prozent der Bevölkerung in Gebäuden und über 97 Prozent der Fläche mobil.
Rekordwerte bei Reichweite, Versorgung und Vielfalt
Während zum Start im Jahr 2011 bundesweit lediglich rund 27 Senderstandorte aktiv waren, umfasst allein das erste nationale DAB+ Netz inzwischen 184 Standorte; bis zum Ende des Jahres soll es auf bis zu 192 anwachsen. Über 78 Mio. Deutsche können die bundesweit verbreiteten Programme zuhause mit Zimmerantenne empfangen.
Bundesweit, regional und lokal stehen inzwischen unterschiedliche Angebote mit weit über 300 Radioprogrammen digital-terrestrisch zur Verfügung. Mehr als 100 davon werden ausschließlich digital ausgestrahlt. Neben den Angeboten von ARD und Deutschlandradio nutzen heute zahlreiche private Radiomarken DAB+ für ihre Verbreitung.
Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass DAB+ weiterhin wächst. Nach der jüngsten Media Analyse (ma Audio 2026 II) hat sich DAB+ als relevanter Verbreitungsweg im Audiomarkt etabliert. Im Weitesten Hörerkreis (WHK) nutzen 35,6 Prozent der Bevölkerung DAB+. Besonders stark ist die Reichweite bei den 30- bis 59-Jährigen, in dieser Zielgruppe erreicht DAB+ 43,1 Prozent innerhalb der letzten vier Wochen. Ihre tägliche Verweildauer liegt bei 167 Minuten.
Gerätemarkt: Vom Nischenprodukt zum Massenmarkt
Der Erfolg von DAB+ spiegelt sich deutlich im stetig wachsenden Geräteangebot wider. Verbraucherinnen und Verbraucher können inzwischen aus mehreren Hundert Modellen wählen, die im Einzelhandel und online verfügbar sind. Immer mehr davon verfügen bereits über den kommenden DAB+ Sicherheits-Service „Automatic Safety Alert“ (ASA).
Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung in den Haushalten: Nach den Audio Trends 2025 verfügen 40 Prozent der deutschen Haushalte über mindestens ein DAB+ Radio. Allein gegenüber dem Vorjahr kamen rund zwei Millionen zusätzliche Haushalte hinzu.
Ein wichtiger Wachstumstreiber ist das Auto. Seit der Umsetzung der europäischen Digitalradiopflicht Ende 2020 müssen Neuwagen, die mit einem Radiogerät ausgestattet sind, DAB+ empfangen können. Dadurch verfügt heute ein stetig wachsender Teil des Fahrzeugbestands über Digitalradio. Bereits rund jeder vierte Pkw hat ein DAB+ Autoradio.
Innovationen für Sicherheit und Resilienz
Neben Klangqualität und Angebotsvielfalt gewinnt DAB+ zunehmend als robuste Infrastruktur für den Bevölkerungsschutz an Bedeutung. Der bald verfügbare Service „Automatic Safety Alert (ASA)“ schützt die Bevölkerung in Not- und Krisenfällen mit verlässlichen Sicherheitsmeldungen im Radio. Hörerinnen und Hörer profitieren von einem System, das sie auch dann informiert, wenn Mobilfunk- oder Internetverbindungen unterbrochen sind. ASA arbeitet im Hintergrund automatisch, kann für den Wohnort regional angepasst werden und bietet eine hohe Verfügbarkeit. DAB+ kann große Teile der Bevölkerung zeitgleich und ohne zusätzliche Netzbelastung versorgen. Das macht die Technologie zu einem wichtigen Baustein für resiliente Informationsinfrastrukturen.
Nachhaltige Perspektive für die Radioverbreitung
Auch unter Nachhaltigkeitsaspekten spielt DAB+ eine wichtige Rolle. Die gemeinsame Verbreitung vieler Programme über eine gemeinsame Programmplattform, einen sogenannten Multiplex, ermöglicht eine effiziente Nutzung von Frequenzen und Infrastruktur. Gleichzeitig profitieren Programmanbieter von einer wirtschaftlichen digitalen Verbreitung, während Hörerinnen und Hörer kostenlose Inhalte ohne Datenverbrauch nutzen können.
Die BBC-Studie „The energy footprint of BBC radio services: now and in the future" (Fletcher/Chandaria, 2020) untersuchte den Energiebedarf von Produktion, Verbreitung und Empfang von BBC-Radioprogrammen und kam zum Ergebnis, dass digital-terrestrisches Radio die am wenigsten energieintensive Plattform ist, während DTV am energieintensivsten ist. Die Studie „green radio" von BLM und des Bayerischen Rundfunks (2021) bestätigt dies für Deutschland: Bei einer vergleichbaren Versorgung ist der Energieverbrauch bei der Ausstrahlung eines Programms über DAB+ deutlich geringer als bei der Ausstrahlung über UKW.
Gemeinsam die Zukunft des Radios gestalten
Der Erfolg von DAB+ ist das Ergebnis eines einzigartigen Schulterschlusses innerhalb der Branche. Öffentlich-rechtliche und private Veranstalter, Netzbetreiber, Gerätehersteller, Handel, Medienanstalten sowie Bundes- und Landespolitik haben in den vergangenen 15 Jahren die Digitalisierung des Hörfunks maßgeblich vorangetrieben.
Getragen wird dies institutionell vom Digitalradio Deutschland e.V., in dem sich ARD, Deutschlandradio, private Veranstalter, Gerätehersteller und Netzbetreiber über ihre Kommunikations- und Marketingaktivitäten informieren. Private Anbieter beteiligten sich von Anfang an mit erheblichem Engagement an der Digitalisierung, während die Politik mit der EU-weiten Digitalradiopflicht für Neuwagen ab Ende 2020 erste regulatorische Rahmenbedingungen geschaffen hat. www.dabplus.de
Wed, 29. Jul 2026
|
 |
 |
SatelliFax-Feeds für Ihre Website und RSS-Feeds
SatelliFax
|