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Nicht-kommerzielle Lokalradios in Hessen: DAB+-Ausstieg statt UKW-Ausstieg?
Wie berichtet, hatte die Versammlung der Medienanstalt Hessen in ihrer Sitzung vom 15. Dezember 2025 den Direktor der Medienanstalt mit einstimmig gefasstem Beschluss damit beauftragt, die von der Medienanstalt mit dem Sendernetzbetreiber abgeschlossenen Verträge über die UKW-Verbreitung der nichtkommerziellen Lokalradios (NKLs) in Hessen zum nächstmöglichen Zeitpunkt, mithin zum 30. Juni 2026, zu kündigen.
Hintergrund der Entscheidung seien laut Medienanstalt insbesondere kurzfristig erforderlich gewordene weitere Sparmaßnahmen durch weniger Einnahmen aus dem Rundfunkbeitrag gewesen. Darüber hinaus habe die Medienanstalt Hessen der Empfehlung des Landesrechnungshofs gerecht zu werden, die Notwendigkeit des kostenintensiven Simulcast-Betriebs (UKW und DAB+) unter Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkten kritisch zu hinterfragen.
Die Lokalradios reagierten wütend auf die Ankündigung und sehen sich durch den Wegfall der UKW-Frequenzen in ihrer Existenz bedroht. Eine UKW-Abschaltung beträfe nicht nur eine Technik, sondern behindere Stimmen, Nähe und demokratische Öffentlichkeit vor Ort, heißt es etwa im Statement des Lokalsenders RundFunk Meißner. Der Verlust von UKW-Frequenzen wäre daher ein irreversibler Schaden.
Jetzt könnte es eine Rolle rückwärts geben: Laut Informationen von SatelliFax aus Kreisen der betroffenen Sender strebt zumindest eines der Lokalradios im Rhein-Main-Gebiet an, die DAB+-Verbreitung wieder aufzugeben und ab 1. Juli wieder ausschließlich auf UKW zu senden. Auch andere Sender könnten diesen radikalen Schritt zurück in die Vergangenheit gehen.
Damit würde es aber auch wieder zu starken Reichweiten-Verlusten kommen. Einige der NKLs sind auf ihren leistungsschwchen UKW-Frequenzen nicht einmal im gesamten, definierten Sendegebiet zu hören. Auf DAB+ senden die sieben Programme in zwei Multiplexen (Hessen Nord und Hessen Süd), deren Reichweite weit über das UKW-Sendegebiet hinausgeht. In Betracht gezogen sollte auch, dass die UKW-Nutzung seit einigen Jahren stark rückläufig ist. Vor diesem Hintergrund ist fraglich, ob der Schritt anstelle von UKW wieder aus DAB+ auszusteigen, tatsächlich der richtige ist.
Die meisten Hörer haben heute die Möglichkeit, Radio auch über Web-basierte Wege zu hören, zudem kostet ein DAB+-Radio oft nicht mehr als 20 Euro - der Preis einer Pizza plus Getränk beim Italiener.
Der Lokalsender RundFunk Meißner sieht das aber anders: "Millionen funktionierender UKW-Radios sind im Einsatz: in Küchen, Autos, Werkstätten, Pflegeheimen und bei älteren Menschen. DAB+-Geräte sind keineswegs überall vorhanden. Wer UKW abschaltet, schließt faktisch Hörerinnen und Hörer aus – insbesondere ältere, einkommensschwächere oder technikferne Menschen."
Mon, 30. Mar 2026
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